Gegen Rassismus – Wie die Dietrich-Bonhoeffer-Schule Courage zeigen will …

Gießener Allgemeine vom 12.02.2018 – Ursula Sommerlad

Mehr als 2500 Schulen in Deutschland haben dem Rassismus den Kampf angesagt. Demnächst bekommen sie Unterstützung auch aus Lich.

Gegen Diskriminierung: Auch die Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich will sich der Aktion »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« anschließen. (Foto: Fotolia/Franz Pfluegl)

Wer ins Sekretariat oder zum Schulleiter der Dietrich-Bonhoeffer-Schule möchte, kommt an einem großen Bild des Namenspatrons vorbei. Und an einem Zitat: »Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen (…), nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Tat ist die Freiheit.« Dietrich Bonhoeffer hat diese Zeilen im Herbst 1944 als Gefangener der Gestapo geschrieben. Wenige Monate später wurde er hingerichtet. Die nach ihm benannte Licher Gesamtschule hält das Andenken an den mutigen Theologen hoch. Bei der Projektwoche vor zwei Jahren hieß ein Themenblock »Zivilcourage«. Er gab den Anstoß für eine Initiative mit Langzeitwirkung. Am Samstag, dem 17. Februar, soll der DBS der Titel »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« verliehen werden. Bundesweit haben sich bereits mehr als 2500 Schulen dieser vom Verein Aktion Courage getragenen Initiative angeschlossen. Vorreiter in Hessen war vor mehr als 20 Jahren die Theo-Koch-Schule in Grünberg.

Freiwillige Selbstverpflichtung
Es handelt sich nicht um einen Preis, sondern um die Selbstverpflichtung der Schulgemeinde, sich gegen jegliche Form von Diskriminierung zu wenden. »Wir wollen eine Schulgemeinde sein, die zusammenhält«, sagt Maike Bernhard. Die Lehrerin gehört mit Karin Gruß, Andrijana Atanasoska, Ömer Gündüz, Kathrin Glade und anfangs auch Franziska Biedenkopf zum Team, das die Aktion »Schule ohne Rassismus« vorbereitet hat. Wichtigster Schritt: 70 Prozent der Schulgemeinde – dazu zählen Schüler, Lehrer und andere Mitarbeiter – mussten eine freiwillige Selbstverpflichtung unterschreiben. Vor einem Jahr, beim »Tag der offenen Tür«, wurde mit dem Sammeln von Unterschriften begonnen. Etwa 700 kamen im Laufe des Sommerhalbjahrs zusammen. »Das sind über 70 Prozent«, sagen die Initiatoren. Noch vor den großen Ferien konnte der Titel »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« beantragt werden.

Wir wollen die Schüler zu verantwortungsbewussten künftigen Erwachsenen erziehen Maike Bernhard

Aktuell besitzen 5,6 Prozent der Schüler an der DBS keinen deutschen Pass. Weitaus mehr haben einen Migrationshintergrund. Und 2015/2016 wurden zwei DaZ-Klassen gebildet für Kinder aus geflüchteten Familien, die erst einmal Deutsch lernen müssen, bevor sie in die Regelklassen integriert werden können. Auch sie waren in die Schule-ohne-Rassismus-Aktivitäten eingebunden.

Konkrete Probleme mit Rassismus? Karin Gruß, Andrijana Atanasoska und Maike Bernhard schütteln den Kopf. Die habe man an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule nicht. Den Lehrerinnen geht es bei der Aktion eher darum, den Blick für ein globales Problem zu schärfen. »Man muss ja immer im Kleinen beginnen«, sagt Atanasoska, die selbst vor 14 Jahren ohne Sprachkenntnisse aus Mazedonien nach Deutschland kam und nun Sport und Mathe unterrichtet. Dass Integration möglich ist, will sie ihren Schülern nicht zuletzt am eigenen Beispiel vermitteln.

Erfolgreiche Sportler als Paten
Unterstützt wird der Gedanke einer »Schule ohne Rassismus« auch extern. Der erfolgreiche Licher Karate-Trainer Detlef Herbst und Richard Adjei aus Heuchelheim, der bei den Olympischen Spielen in Vancouver eine Silbermedaille im Zweier-Bob gewann, haben sich als Paten zur Verfügung gestellt. »Sie sollen die Aktion als Vorbilder begleiten«, erläutert Katrin Gruß. Herbst und Adjei werden am 17. Februar bei der feierlichen Übergabe des Titels dabei sein. Damit die Zeremonie die gebührende Aufmerksamkeit findet, wird sie mit dem Tag der offenen Tür« verbunden. Nach dem Festakt werden symbolisch viele bunte Luftballons in den Himmel steigen.

Und danach? Ein Schild am Eingang und Plakate in den Klassenzimmern sollen auch künftig zum Einsatz gegen Diskriminierung ermuntern. Vor allem aber soll mindestens einmal pro Jahr ein Projekt zum Thema angeboten werden. Der Anfang ist bereits gemacht. In dieser Woche wird beispielsweise der Missio-Truck mit seiner interaktiven Ausstellung über Menschen auf der Flucht an der DBS Station machen. Solidarität, Zusammenhalt, Unterstützung: diese Werte sollen den Jugendlichen vermittelt werden. Oder, wie Maike Bernhard es formuliert: »Wir wollen unsere Schüler zu verantwortungsbewussten künftigen Erwachsenen erziehen.«

 

Info-Kasten

Selbstverpflichtung

Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe meiner Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsam Wege finden, uns zukünftig zu achten. Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule ein Mal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierungen durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.