Schule mit Courage …

»Schule Courage«

Gießener Allgemeine 19. Februar 2018 – von Constantin Hoppe

»Wir stehen auf gegen Rassismus und Diskriminierung« – das sagt sich die Schulgemeinschaft der Licher Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Dafür erhielten sie am Samstag die Auszeichnung als »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«. Der Titel ist kein Preis und keine Auszeichnung für bereits geleistete Arbeit, sondern eine Selbstverpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft.

Eine Schule, die den Titel trägt, ist Teil eines Netzwerkes, das sagt: Wir übernehmen Verantwortung für das Klima an unserer Schule und unser Umfeld. Wichtigster Schritt: 70 Prozent der Schulgemeinde – dazu zählen Schüler, Lehrer und andere Mitarbeiter – mussten eine freiwillige Selbstverpflichtung unterschreiben. Dazu gehört: Langfristig und nachhaltig Projekte Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden; sich gegen Gewalt und Diskriminierende Äußerungen und Handlungen wenden und gemeinsam Wege zu finden, sich einander zu achten; und sich schließlich noch dafür einzusetzen, dass einmal pro Jahr an der Schule ein Projekt zum Thema Diskriminierung durchgeführt wird. Zur Titelverleihung überbrachte Angélica Reyes von der Bildungsstätte Anne Frank unter lautem Beifall der Schüler – die Plakette. Die Schulgemeinschaft ist sich einig: Hass und Angst vor dem Fremden hat an ihrer Schule keinen Platz.

»Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« ist ein Projekt des Vereins »Aktion Courage« und wurde in Deutschland im Juni 1995 ins Leben gerufen. Der war drei Jahre zuvor von Bürgerinitiativen, Menschenrechtsgruppen, Vereinen und Einzelpersonen als eine Antwort auf den gewalttätigen Rassismus, der sich in Mölln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock Bahn brach, gegründet worden.

Im Anschluss an die Auszeichnung wurde der neue Titel gebührend gefeiert: Mit dem Start Dutzender Luftballons vom Schulhof aus. Damnach wurde zum Tag der offenen Tür übergeleitet, bei dem sich die Klassen wieder viele Gedanken gemacht hatten, um den Besuchern ein abwechslungsreiches Programm zu bieten: Von chemischen Experimenten über Bücher-Kunst bis hin zu einem Flohmarkt gab es einiges zu erleben.

 

 

Gießener Anzeiger vom 19.02.2018

Licher Dietrich-Bonhoeffer-Schule als „Schule mit Courage“ ausgezeichnet

LICH – (atb). Die Sporthalle der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) war am Samstagvormittag voll. Das Thema „Courage“ wurde ganz offenbar ernst genommen. Auf der Tribüne drängten sich Schülerschaft samt Eltern, für die Ehrengäste, unter denen sich auch Schuldezernentin des Gießener Landkreises, Dr. Christiane Schmahl, aufhielt, waren Bänke noch vor der Tribüne aufgebaut worden. Es müssen an die 800 Menschen gewesen sein. Sie alle wollten miterleben, wie die kooperative Gesamtschule nun ganz offiziell auch noch zur Schule gegen Rassismus, Schule mit Courage“ wurde.

Angelika Reyes von der „Aktion Courage“ übergab das große Schild, das nun sichtbar macht, was die eindeutige Mehrzahl der Schüler, Lehrer, Sozialarbeiter der Verwaltung und den weiteren Mitarbeitern der Schule sich auf die Fahnen geschrieben haben: „Toleranz“.

Nach Reyes gehe es aber nicht nur um die Toleranz gegenüber Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen oder Hautfarben. Die Vertreterin der Aktion Courage sprach auch die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe an, die teilweise mit dem Begriff „Genderwahn“ kleingeredet werde, überhaupt betonte sie die Toleranz gegenüber Mindertheiten. Auch Blicke könnten bereits abwertend wirken.

Der DBS stehen zwei Männer als Paten zur Seite. Einer der beiden, Richard Adjey, der in Heuchelheim ein Fitnessstudio betreibt und als Bobfahrer bei den Olympischen Spielen teilnahm und selbst eine dunkle Hautfarbe hat, trat vor die Zuschauer und berichtete von eigenen Erfahrungen. Er werde aufgrund seiner Hautfarbe oft gefragt, wie er nach Deutschland gekommen sei. Er müsse bei der Frage immer schmunzeln, erklärte er. Schließlich sei er in Deutschland geboren und aufgewachsen. Dann wechselte er zum Vergnügen seiner Zuhörer in den gemütlichen Akzent der Rheinländer. Sein Papa sei zwar in Ghana geboren, seine Mutter aber sei blond und in Deutschland geboren. Und wie, als wenn es seine Sätze noch untermalen wollte, kam in diesem Augenblick ein kleines, blond gelocktes Mädchen aus dem Zuschauerraum auf den Redner zu gerannt und entpuppte sich als dessen Tochter. Der Sportler brachte es auf den Punkt: „Wenn ihr Lust habt, euch zu integrieren“, richtete er sich an die Gäste, insbesondere mit ausländischen Wurzeln, „ladet ein, sprecht, zeigt Kultur, nehmt damit den Leuten die Ängste, zeigt, wer ihr seid. Das ist meine Botschaft.“

Ralph Kemp, ebenfalls Sportler, kam in Vertretung für den zweiten Paten, den Karate-Meister Detlef Herbst aus Lich. Kemp, der selbst den sechsten Dan im Karate trägt, erklärte die ethische Ausrichtung des Karate: „Am Anfang und am Ende steht immer der Respekt“, sagte er. In der Trainingsstätte lernten die Kinder außerdem Selbstbehauptung und wie man sich wehren könne. Er machte darauf aufmerksam, dass die beiden Schulen, die DBS und das Karate-Dojo in Lich, sich in Zukunft gegenseitig unterstützen wollen.

Von pädagogischer Seite ging Schulleiter der DBS, Peter Blasini seine Rede an. Das Klima an der Schule stimme. In der Politik stimme das Klima dagegen nicht. Dass etwa, so formulierte er deutlich, „AFD-Rechtspopulisten“ ausländische Menschen beschimpften, wie unlängst geschehen „das geht gar nicht“. Er halte es mit Peter Fischer, Aufsichtsratsvorsitzendem der Eintracht Frankfurt, der keine AFD-Mitglieder im Verein wolle. Blasini erhielt dafür einen großen Zwischenapplaus. Die Schule habe sich vor zwei Jahren auf den Weg gegen Rassismus und hin zur Schule mit Courage gemacht.

Die Veranstaltung in der Sporthalle begleiteten musikalisch die drei Chöre der DBS mit mehreren Stücken. Im Anschluss an die Schildübergabe ließen die Kinder farbenprächtig hunderte von Ballons in den Himmel steigen. Dann eröffnete der Tag der offenen Tür an der Schule.