Aus Gülle und Gemüse wird erneuerbare Energie …

Aus Gülle und Gemüse wird erneuerbare Energie

(Gießener Allgemeine vom 09.05.2019)

Zugegeben: Appetitlich ist diese Sache nicht gerade – schließlich wird hier mit Jauche und altem Gemüse hantiert. Aber was das „Team Nitrotoxy“ der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) in Lich tut, ist hocheffektiv: Die Schülerinnen und Schüler haben einen Weg gefunden, um aus Gülle Geld zu machen. Die kleine Schülerfirma mit Jugendlichen des Wahlpflichtunterrichts der Klassen 9 und 10 der DBS produziert mithilfe von Gülle und Bakterienkulturen Erdgas und Ethanol. Das wiederum nutzen die jungen „Daniel Düsentriebs“, um Stirling-Motoren zu betreiben. Diese können Aggregate antreiben oder regenerativen Strom erzeugen.
Davon waren auch Fachleute beeindruckt: Die Jugendlichen aus Lich erhielten für ihr Projekt den MINT-Sonderpreis, der im Rahmen des Junior-Projekts des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln in Kooperation mit dem hessischen Kultusministerium verliehen wurde. Auch das ZDF berichtete über den Erfolg des Teams aus Lich.

Preisgekrönte Tüftler zeigen ihre Versuchsreihe: Landrätin Anita Schneider besucht das Team „Nitrotoxy“ der Dietrich-Bonhoeffer-Schule um Betreuer Bernhard Andreas Krenig (3. v. l.) und Schulleiter Peter Blasini.
© pm/Landkreis Gießen

Einblicke in das Projekt der Schülergruppe, die von Lehrer Bernhard Andreas Krenig betreut wird, gab es nun für Landrätin Anita Schneider. Sie gratulierte den jungen Naturwissenschaftlern und ihrem Betreuer nicht nur zu ihrem Erfolg, sondern betonte auch, dass sich das Projekt geradezu nahtlos in die Initiativen des Landkreises für regionalen Klimaschutz einfüge. „Eure Idee ist wirklich beeindruckend“, sagte die Landrätin. „Was ihr tut, ist ein toller Beleg dafür, dass junge Menschen nicht nur für Klimaschutz auf die Straße gehen, sondern sich aktiv mit Ideen dafür einbringen.“

Die Jugendlichen erklärten, warum ihre Arbeit mit Schneidbrett, Messer und PET-Flasche beginnt: Sie zerkleinern altes Gemüse, aussortiert in Lebensmittelmärkten, das in Flaschen vergoren wird. Dabei kommen Algen, die bestimmte Bakterien liefern, zum Einsatz. Auf den Flaschenhals gestülpte Luftballons zeigen schließlich an, wenn sich Gas bildet. Brennendes Gas oder Alkohol treiben einen Stirling-Motor an, dessen Kolben sich durch erwärmende und dadurch ausdehnende und anschließend wieder abkühlende Luft bewegt. Diese Stirling-Motoren bauen die Schüler ebenfalls selbst. Bisher sind es zwar kleine Modelle, aber einen ersten festen Abnehmer für einen größeren gibt es bereits: In Kolumbien.

Lehrer Bernhard Andreas Krenig hat den Kontakt zu einer Plantage indianischer Kaffeebauern in dem südamerikanischen Land hergestellt, die eine Rösttrommel mithilfe eines Stirling-Motors betreiben wollen. Als „Treibstoff“ kommen Zuckerrohrreste infrage, während bislang mühsam Diesel in Kanister herbeigeschafft werden muss. Dass die Projektpartner damit gleich auch Bio-Kaffee für eine „DBS-Mischung“ liefern könnten, lag auf der Hand. „Wir als Landkreis wären sicher schon einmal Abnehmer für einen Teil dieses Kaffees“, sagte Schneider.

Damit die Jugendlichen ein wenig Abstand vom Forschen und Entwickeln bekommen, hatte die Landrätin ein passendes Geschenk mitgebracht: Sie lud die Schüler zu einem Trommel-Workshop mit einer ugandischen Gruppe ein, während dem sie sich einen Tag lang mit viel Rhythmus austoben können.